Theologe Paul Kleiner

Geld und Bibel

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Welche Rolle spielt Geld in der Bibel? Macht es glücklich oder versklavt es? Ist es Versuchung oder auch Mittel zum guten Zweck? Der promovierte Theologe Paul Kleiner hat sich mit dem Thema Geld befasst, unter anderem im Rahmen einer Dissertation über das Thema Bestechung.

Gold ist durch die verschiedenen Zeiten und Kulturen hindurch Inbegriff dessen, was wertvoll ist, eine Art Grundwährung vieler Völker. Das Wort „Geld“ in der deutschen Bibel entspricht sehr häufig dem hebräischen oder griechischen „Gold“ bzw. „Silber“. Geld und Besitz, Armut und Reichtum, Umgang mit materiellen Gütern werden in der Bibel an vielen Stellen erwähnt und beurteilt. In sechs Schritten soll diese Wegweisung vorgestellt werden.

Geld, Gold und Silber sind wertvoll.

Dies wird nicht nur festgestellt, sondern durchaus positiv bewertet:

- Materieller Reichtum kann Gutes bewirken.
- Armut ist kein Ideal in der Bibel.

Die Warnung, dem Mammon nicht zu dienen, gilt nicht nur den Reichen, die Geld haben, sondern auch den Armen, die ihn ersehnen! Dazu kommt, dass Armut oft auch eine Folge von Sünde ist (Faulheit, Zuchtlosigkeit, Genusssucht).

Reichtum teilen

Weil die materielle Armut in der Bibel kein Ideal ist, sollen Bedürftige unterstützt und Reichtum geteilt werden:

- Geld ist nicht dazu da, angehäuft und gehortet zu werden.
- Es soll zum Guten eingesetzt werden.
- Das gilt nicht nur für individuelle Wohltätigkeit.

Die staatliche Steuern, die im Neuen Testament ausdrücklich bejaht werden, sind systemische Umverteilungsmechanismen zwischen Arm und Reich innerhalb einer Gesellschaft

Gelderwerb ist legal

Eine Voraussetzung, Geld für Gutes zu verwenden, ist, dass man es erwirbt! Die Bibel fordert dazu auf, damit alle ihren eigenen Lebensunterhalt und denjenigen ihrer Familie bestreiten können:

- Selbstverständlich muss das Geld legal erworben werden.
- Auch wenn Armut eine fortwährende gesellschaftliche Gegebenheit ist, ist die alttestamentliche Gesetzgebung und die Zielrichtung biblischer Weisungen darauf gerichtet, sowohl extreme Formen der Armut abzufedern als auch Strukturen und Institutionen aufzubauen, die Verarmung und die weitere Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich bekämpfen.

Der Wert des Geldes ist relativ

Der Wert des Geldes wird ausdrücklich relativiert: Es ist nicht der höchste Wert. Geld kann nicht retten:

- Die Bibel sagt: Das Wort Gottes ist viel mehr wert als Tausende von Kilogramm Gold und Silber.
- Besser materiell arm, aber weise und redlich, als reich, töricht und ungerecht.
- Gerade weil Geld und Reichtum so wertvoll sind, besteht eine erhebliche Gefahr, dass Geld zum Gott Mammon wird, der geliebt und verehrt wird, an den Menschen ihr Herz hängen und in den sie ihr Vertrauen setzen.

Oft missbraucht

Die Liste der Bibelstellen, die den Missbrauch von Geld erwähnen, ist lang:

- Reiche werden kritisiert, nicht unbedingt weil sie viel Besitz haben, sondern wegen der Art und Weise, wie sie ihn erworben haben, wie sie mit ihm umgehen und wie sie die materiell Ärmeren behandeln.
- Stolz und Hochmut, Unterdrückung und Ungerechtigkeiten (bisweilen auch legalisierte!), Gewalt und Lieblosigkeit sind die eigentlichen Themen, die sich im Umgang mit materiellen Gütern zeigen.

Freiwillige Armut

„Armut“ in einem religiösen, geistlichen Sinn wird quer durch die Bibel gelobt und empfohlen.

- Auch im materiellen Sinn wird Armut empfohlen, aber nur als freiwillige Armut, als Verzicht auf Geld, Reichtum und Besitz. Vor allem das Neue Testament fordert die freiwillige Armut in der Nachfolge Jesu Christi als eine der Ausprägungen radikaler Nächstenliebe. Wer so die richtigen Prioritäten setzt, wird verzichten – unter anderem auch auf materielle Güter.
- Dabei ist die Freiwilligkeit dick zu unterstreichen!

Kommentar

Von Markus Meury, ChristNet

Hindert das Bankgeheimnis den Segen Gottes?

Die Verfassung des Bundes steht noch immer unter der Präambel „Im Namen Gottes“. Nach einem Antrag der SVP soll bald auch unser Bankgeheimnis in der Verfassung verankert werden. Ja, wir haben eine besondere Beziehung zum Geld. Sind wir aber zu Gefangenen des Geldes geworden?

Die Schweiz ist sehr reich. Dies einerseits sicher auf Grund harter Arbeit, auf der anderen Seite hat unser Reichtum zum Teil auch unrühmliche Quellen. Steuerflucht-Gelder in der Höhe von hunderten Milliarden Franken. Immer wieder, wenn ein Fall von Diktatoren-Geldern an die Öffentlichkeit dringt, verkünden die Banken, man haben die Lehren gezogen, alles sei in Ordnung... bis der nächste Fall auffliegt.

Von der eidgenössischen Geldwäscherei-Meldestelle weiss man, dass sie chronisch unterbesetzt ist und kaum wirksam arbeiten kann. Abgesehen davon, dass sie selber von den Banken beaufsichtigt wird... Und bezüglich der Steuerfluchtgelder sagen viele Bankdirektoren gar offen, die anderen Staaten seien selber schuld, wenn sie zu hohe Steuern verlangen. Dass diese ausländischen Steuersysteme demokratisch zustande gekommen sind, scheint egal zu sein.

Fakt ist, dass die Schweiz wegen ihrer künstlichen Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung sich in den meisten Fällen weigert, anderen Staaten Rechtshilfe zu gewähren, wenn sie wissen, dass reiche Bürger ihr Geld in der Schweiz verstecken. Und durch das Bankgeheimnis werden noch und noch dreckige Gelder angelockt.

Hier haben wir eine gemeinsame Verantwortung, wie wir unsere Gesetzgebung ausgestalten wollen. Und die offiziellen Stellen, die Banken und die Schweiz, die um seine Arbeitsplätze bangt, bauen sich windige Rechtfertigungen zusammen, damit sie nicht davon lassen muss.

Doch solange wir uns an an solche Gelder klammern, lebt die Schweiz in Sünde. Wo Sünde ist, von der wir nicht lassen wollen, kann der Segen Gottes nicht so fliessen, wie er es eigentlich möchte. Es ist Zeit, dies zu ändern.

Hinweis:
Das Thema Mammon ist nach dem Resultat der US-Wahlen, aber auch sonst, noch brisanter geworden. Am Freitag, 10. Dezember, von 18.45 Uhr bis 21.30 Uhr findet bei Werner und Hildegard Ninck, Steinhölzliweg 65, Bern (Bus Nr. 16 oder 23 ab Bahnhof) eine Diskussion zum Thema statt.


Autor: Paul Kleiner
Quelle: Bausteine/VBG